Schikurs der 2b und 2c am Zistelberghof in Werfenweng, 26. bis 31. März 2023 – ein Tagebuch
Sonntag
Gut gelaunt und aufgeregt brachen die 37 Schüler*innen, 4 Lehrer*innen (Prof. Donas, Lengauer, Moser, Vrchoticky) und Schilehrer „Sonni“ Sonntag um 09:00 mit einem Bus Richtung Werfenweng auf.
Aufgeregte Gespräche, was man alles zu naschen mithabe, wer mit wem in einem Zimmer wohnen würde und Spekulationen, wie wohl das Schifahren sein würde, vertrieben uns die Zeit – die von Zeit zu Zeit auftauchende Frage, wie weit es noch sei oder wann wir an der Raststation ankämen, wurden mit Hilfe zur Selbsthilfe beantwortet – dank Google Maps und der Digitalen Grundbildung kein Problem.
Die Pause an der Raststation in Kammern (Steiermark) war wie immer geprägt von Überfüllung durch viele gleichzeitig reisende Schikursgruppen aus dem östlichen Österreich und personeller Unterbesetzung der Raststation, die Zeit wurde sehr intensiv zur Einteilung der Zimmer genutzt, eine Aufgabe, die die Schüler*innen selbständig zu erledigen hatten. Bei der sehr zähen Entscheidung der Mädchenzimmer-Einteilung kam es zu einer kurzen Hilfestellung der Klassenlehrerinnen. Sehr bald wurde auch der Spielplatz entdeckt und ausgiebig bespielt.
Nach der Pause ging es in ähnlicher Art durch schon spärlich mit Schnee versorgte Schigebiete („Boah, viel zu steil, müssen wir da fahren?“) weiter bis Werfen, wo der Bus auf die Bergstraße abbog und sich durch die immer enger werdenden Serpentinen und Kurven plagte, was einige Kinder dazu veranlasste, zu spekulieren, ob der Bus denn da hinaufkäme.
Im Hotel „Zistelberger Hof“ angekommen, wurden die Zimmer bezogen. Nach einer kurzen Besprechung und Erklärung der Hausregeln durch den Schikursleiter Prof. Moser inspizierten wir die vom Verleih ins Hotel gebrachten Materialien, identifizierten die Schi und probierten die verliehenen Schischuhe an, für viele Kinder ein erstmaliges Erlebnis. Lediglich die Helme mussten am nächsten Morgen noch direkt an der Talstation der Bergbahnen abgeholt werden.
Nach dem ersten Abendessen wurden die Pistenregeln besprochen, Verhaltensregeln wiederholt und die erste „Zimmerchallenge“ ausgegeben („dreht alle Zahnbürsten nach links“), für die allabendlich stattfindende Zimmerkontrolle, bei der auch die Handies abgesammelt und bis zum nächsten Frühstück sicher verwahrt wurden.
Für perfekt aufgeräumte Zimmer, richtig beantwortete Fragen zum Tag und erledigte Aufgaben gab es jeden Tag eine maximale Punktezahl zu gewinnen – aus dem Ordnung halten wurde so eine spannende Gemeinschaftsaufgabe, die von vielen Zimmern sehr engagiert und überaus kreativ gelöst wurde.

Für viel Spaß und manchen Nachfragen, bei denen auch neue Begriffe gelernt wurden, sorgten die bewährten Tagesprogramm-Plakate, bei denen sich die Kreativität der Lehrer*innen austoben konnte.
Am ersten Abend dauerte es bis zum Einschlafen in manchen Zimmern etwas länger, teils der Aufregung, teils einigen „Heimwehattacken“ geschuldet. Für manche Kinder ist der Schikurs in der zweiten Klasse der erste längere Aufenthalt weg von den Eltern und zuhause. Durch beruhigende Gespräche und aufmunternde Worte der KVs und der Zimmerkolleginnen entstand aber überall das Gefühl und der Wille, durchzuhalten und die erste Nacht zu überstehen.
Auch bei weiteren Konflikten, die im Laufe der Woche manchmal auftraten, lernten die Kinder, das Gespräch untereinander zu suchen und gemeinsam zu Lösungen zu kommen. Die Strategien, die in FSK gelehrt werden, können so in der Praxis erprobt und geübt werden.

Montag
Aufgeregt und voller Vorfreude starteten alle Schikursteilnehmer*innen nach einem ausgiebigen Frühstück und fast ohne im Zimmer vergessene wichtige Ausstattungsstücke („Frau Professor, meine Handschuhe liegen noch oben!“) mit dem Schibus zur Talstation der Bergbahnen Werfenweng.
Unser Busfahrer Max entpuppte sich als DJ und so entstand bei jeder Fahrt Partystimmung.
Die fortgeschrittenen Schifahrer*innen wurden je nach Können in zwei Gruppen eingeteilt und entschwanden mit Prof. Donas und Moser in luftige Höhen. Die sehr eingeschränkte Sicht durch dichten Schneefall (der dringend notwendig war, um ehrlich zu sein) ließ beide Gruppen sehr vorsichtig fahren. Da uns der aufziehende Sturm einen Strich durch die Rechnung machte und ab Mittag die Gondel lahmlegte, wurde der Nachmittag zum „frei fahren unter Aufsicht“ am Schlepplift im Tal genutzt.
Die Anfänger*innen, von denen die meisten zum ersten Mal Ski in den Händen und bald unter den Füssen hatten, gingen mit Prof. Lengauer, Vrchoticky und „Sonni“ zum Übungshang. Sehr bald stellte sich heraus, dass die Bewegung mit den Sportgeräten ganz anders als in Schuhen ist. Wie bremst man, wenn beim Einsteigen in die Bindung plötzlich alles ins Rutschen kommt? Wie dreht man um, wenn die Beine eine „Verlängerung am Boden“ haben? „Warum ist das alles so kompliziert?“ Und wie löst man den „gordischen Knoten“, zu dem man nach einem Sturz auf wundersame Weise geworden ist? Diese Fragen wurden in den ersten beiden Stunden praktisch beantwortet, was nicht selten zu einem Zustand der gefühlt und lauthals kommunizierten völligen Erschöpfung führte. Die wurde kurzerhand kuriert – mit großzügig verteilten „Leckerli“ in Form von Süßigkeiten. Die Motivation stieg mit jedem erfolgreichen Bremsmanöver im „Pizza-Style“. Nach dem Mittagessen und einer transferbedingten kurzen Mittagspause ging es weiter und bald entdeckten manche Kinder, dass das Kurvenfahren gar nicht so schwierig ist. Das Tagesziel, den ganzen Hang zu bewältigen, um mit dem Förderband, auch genannt „Zauberteppich“, wieder hinaufzufahren, erreichten alle Kinder. Erschöpft, aber glücklich machten wir uns auf den Heimweg. Mit der richtigen Musik stieg die Stimmung weiter und „zwischendurch“ wurde Glorias Geburtstag gebührend mit einer Torte samt Sprühkerze gefeiert. Auch an der Beantwortung der Tagesfrage „Wie viele Sekunden wird Gloria heute (alt)?“ wurde fleißig gerechnet.
Das Abendprogramm, die „Wahl der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters“, bei der die Kinder in verschiedenen Kategorien in Paaren gegeneinander antraten und wetteiferten, sorgte für viel gute Stimmung und staunende Gesichter des zweiten Schikurses im Haus. Wir teilten uns das Quartier mit Klassen einer Realschule aus Bayern, deren Schüler*innen neidvoll unsere Tagesprogramm-Plakate bewunderten – auch das beflügelte unser Gemeinschaftsgefühl.

Dienstag
Wieder startete unser Schikurs (mit Ausnahme von einigen Erkrankten) im Disco-Bus in einen Schitag. In der Nacht hatte es geschneit, die Wiesen beim Haus waren weiß und das nährte die Hoffnung, dass unsere Übungswiesen diesmal nicht gleich wieder ein paar „Gatschlöcher“ frei werden ließen. Die Anfänger*innengruppen wurden krankheitsbedingt auf zwei Lehrer*innen aufgeteilt und übten weiter das Pflugbremsen und Kurvenfahren. Im Lauf des Vormittags konnten alle vom Förderband an den Tellerlift wechseln, die Übungsstrecke wurde dadurch um einiges länger und die Fahrten schneller und aufregender. Nach einer kurzen Mittagspause wurden fleißig weiter Pistenkilometer gesammelt. War das Aussteigen aus dem Lift am Vormittag noch eine Herausforderung, für die sich immer die eine oder andere helfende Hand finden musste („Frau Professor, ich fahre in den Bach, Hilfe!“), setzte sich am Nachmittag der Schlachtruf „Ich hab’s geschafft!“ immer mehr durch.
Die Profi-SkifahrerInnen konnten nachmittags schon das Gipfelkreuz bewundern. Die Sicht war zwar schlecht, aber da die Pisten komplett menschenleer waren, störte dies nicht. Neben langen und kurzen Schwüngen lernten die Profis auch das Formationsfahren und trainierten somit ihre Rhythmus- und Anpassungsfähigkeiten.
Weil der Beginn des Abendprogramms durch einen akut zu lösenden Konflikt verzögert war, tauschten wir kurzerhand den Filmabend und die Modenschau und die Kinder unterhielten sich mit „Ein Königreich für ein Lama“. Es war schön zu beobachten, wie der Speisesaal unter gemeinsamen Anstrengungen in einen Kinosaal und anschließend wieder zurück verwandelt wurde. Auch diverse Rückstände der Snacks, die zum Kino wohl dazugehören, wurden gemeinsam aufgeräumt.

Bei der abendlichen Zimmerkontrolle wurden die Lehrer*innen mit einem selbstgedichteten Vierzeiler über das Schifahren unterhalten, die Scherzfrage des Tages wurde von beinahe allen Zimmern richtig beantwortet.
Mittwoch
Der gefürchtete dritte Tag auf der Piste brach an, der Schnee wurde immer weicher und schwieriger zu fahren, daher wurde der Schitag etwas früher beendet als normal. Unsere „Anfänger*innen“ bekamen immer mehr Sicherheit bei ihren Fahrten, immer öfter zeigten sich die Schi nach der Kurve parallel statt in der Pflugstellung – „Kinder, ich bin verblüfft, wie schnell ihr das lernt!“ Auch der eine oder andere Sprung über eine kleine Schanze, die am Hang vorhanden war, wurde gewagt. „Ist eigentlich gar nicht schwer, nächstes Mal mit mehr Anlauf!“ Und als es Zeit für einen kurzen „Hüttenschwung“ wurde, um das Verletzungsrisiko auf der Piste so gering wie möglich zu halten, hörten wir nicht selten „aber ich würde lieber noch weiter Ski fahren“… mehr kann man sich als Schilehrer*in nicht wünschen.
Der Mittwochabend war komplett der „Haute Couture“ gewidmet. Das Lehrer*innenteam ließ es sich nicht nehmen, eine hochkarätige internationale Jury zur Bewertung der Kreationen einfliegen zu lassen, während sich die einzelnen Zimmer mit unglaublicher Kreativität an die Ausstattung eines jeweils ausgewählten Models mit Hilfe von Zeitungspapier, Schere und Klebstreifen machten.
Die drei Sieger*innen wurden nicht nur mit lobenden Kommentaren, sondern auch mit Preisen in Form von Süßigkeiten und Snacks belohnt. Hier sind ein paar Eindrücke dieser gelungenen Veranstaltung unter dem Motto „Dress to impress“:

Donnerstag
Schon beim Weckdienst war zu merken, dass die Schitage ihren Tribut forderten, von Tag zu Tag waren mehr Kinder noch sehr verschlafen, als die Lehrer*innen die Zimmer betraten und mit einem „Guten Morgäääään“ zum Frühstück einluden. Die anfangs so oft gestellte Frage „bekommen wir jetzt unsere Handies zurück?“ wurde am Donnerstag morgen schon fast gar nicht mehr zur ersten Wortmeldung. Es war eine Freude zu sehen, wie die gemeinsamen Gespräche und Spiele immer wichtiger und die elektronische Unterhaltung bei einigen immer weniger wurde. Auch unter diesem Aspekt ist ein Schikurs eine wertvolle Erfahrung für die Kinder.
Der Wetterbericht des Tages und der noch vor der Abfahrt des Busses einsetzende Regen ließen uns Lehrer*innen das Schlimmste befürchten, das leider auch eintrat – die Tellerliftpiste löste sich buchstäblich unter uns auf – was zu Mittag noch als kleine Wasserlache bezeichnet werden konnte, wuchs sich im Lauf des Nachmittags zu einer grün-braunen Gatschzone aus.
Wir mussten das Schifahren in allen Gruppen abbrechen, was uns wirklich alle sehr schmerzte. Es war nämlich eine Freude, die Kinder, die am Sonntag zum ersten Mal Bekanntschaft mit den „Brettln“ gemacht hatten, so fahren zu sehen:
Nach einer kurzen Besprechung, bis wann die Koffer gepackt und die Zimmer aufgeräumt sein sollten und wo die fertig gepackten Koffer am Freitag früh abgestellt werden sollten, ging es in den Zimmern mit Volldampf an die Vorbereitung unseres geplanten Discoabends. So mancher Schönheitssalon würde angesichts der Ausstattung mit Utensilien und des Eifers beim Styling vor Neid erblassen. Nachdem sich einer der Kellerräume vom Aufenthaltsraum in eine bunt beleuchtete Disco verwandelt hatte und eine DJane für den Abend ausgewählt war, konnte der Spaß beginnen. Die anfangs ein wenig schüchtern umstehenden Grüppchen fielen nach und nach ins Tanzfieber und sangen laut ihre Lieblingslieder mit. Bald „kochte“ der Keller. Angesichts des zuvor ausgesprochenen Handyverbots in der Disco trauten sich auch die größten Tanzmuffel aufs Parkett. Viel zu schnell erklang das wohlbekannte „Wer hat an der Uhr gedreht?“, das mit einer ausgiebigen Polonaise verabschiedet wurde. Die Aufregung legte sich erst nach dem Zähne putzen, der Vorstellung der Lehrer*innenportraits, die für die tägliche Zimmerchallenge angefertigt worden waren und einer letzten Zimmerkontrolle. Bald, nein sehr bald waren die letzten flüsternden Gespräche verstummt und die Bewohner*innen der Zimmer im tiefen Schlaf.
Freitag
Es hatte 10 Stunden geregnet. Der klägliche Rest der Schneepiste, der im Laufe der Woche schon immer kleiner geworden war, sah nun so aus:

Angesichts des Verletzungsrisikos für Fahrer*innen und Gerät entschieden wir uns schweren Herzens, auch die guten Schifahrer*innen nicht mehr auf die Pisten zu lassen und vertrieben uns die verbleibende Zeit mit ausgiebigen Tischtennisspielen, Wuzzler-Partien und Werwölfe-Runden.
Unter frenetischem Jubel wurden dann auch noch die ersten drei Plätze der Zimmer-Challenge gekürt, die – nicht ganz überraschend – ein Bubenzimmer für sich entschieden hatte. Die Busfahrt zurück verlief so problemlos wie die Hinfahrt, nicht selten wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, man könne umkehren und noch ein paar Tage bleiben.
Viel zu schnell war diese Woche vergangen, waren Freundschaften geschlossen, gemeinsame Erlebnisse aus allen Perspektiven besprochen, war Konfliktlösung in der Gruppe geübt, Heimweh vertrieben, gemeinsam gegessen, gesungen und sehr, sehr viel gelacht worden.
Liebe Kinder! Wir hatten eine rundum gelungene Woche mit Euch, Ihr wart motiviert, lernwillig, gut gelaunt, (fast immer) unkompliziert und es war uns eine Freude, mit euch einige Tage außerhalb der Schule zu verbringen. Wir hoffen, Ihr hattet so großen Spaß wie wir.
Liebe Familie Lienbacher und Team, wir bedanken uns noch einmal sehr herzlich für die Unterbringung in den „Wow, sind die toll“-Zimmern des Zistelberghofs, der super Bewirtung und der Coolness, mit der dem Auftreten von kleineren Problemen begegnet wurde. Wir wünschen Euch einen erholsamen Betriebsurlaub!


